22.05.2012 // Vorhang auf für 20min|max
Die 6. Ausgabe des Ingolstädter Kurzfilmfestival 20min|max begann am gestrigen Montag, im Audi Programmkino. Leise und ohne Brimborium. Vergeblich suchte man einen roten Teppich oder große Plakatwände im Audi Forum. Aber das braucht es gar nicht: Der Eröffnungsabend des Festivals war restlos ausverkauft, das Publikum und die Gäste waren begeistert.
Der Eröffnungsfilm aus Hamburg I HAVE A BOAT von Nathan Nill lässt einen das Salz der Nordsee schmecken. Kühl ist der Spielfilm, und doch gespickt mit feinem, norddeutschen Humor und phänomenalen Schauspielern. Ein gelungener Auftakt.
WRITTEN IN INK, der zweite Film, kommt aus Polen und sticht direkt ins Herz. Auch ohne ein einziges Wort polnisch zu verstehen, haben die Zuschauer teil an der Einsamkeit des Protagonisten, seiner Hilflosigkeit und seinem geradezu trotzigen Willen, seinem trostlosen Leben zu entkommen, etwas zu verändern, seine Schwester wiederzusehen. Ein Film, so intim und in seinen Bilden so sprechend wie Tätowierungen auf der Haut.
In der Pause – nach fünf weiteren Shorts – bei warmen Sommerabendtemperaturen, wird über die Filme diskutiert, werden die besten Stellen gleich in Erinnerung gerufen. In der ›Director’s Corner‹ finden sich die russische Filmemacherin Yulia Melamed und der österreichische Regisseur Sebastian Wöber ein. Was man die Regisseure schon immer fragen wollte – hier bekommt man Antworten.
Dabei kommen kleine Erstaunlichkeiten ans Licht: So leiteten den Regisseur Sebastian Wöber bei seinem knapp sechs Minuten kurzen Spielfilm MAYBE HE SHOULD HAVE TOLD HER CLOSER TO HOME der Zufall und die Improvisation. »Die Schauspieler gab es vor der Filmidee. Die Handlung und Dialoge entwickelten wir dann gemeinsam am Drehtag im Wald.« Wöber erzählt die Geschichte eines Geständnisses und dessen Folgen: Ein Mann liebt eine andere und gesteht dies während eines Winterspazierganges im Wald. Die Frau fährt nach Hause – ohne ihn. Und der Zufall hat Wöber wunderbar ins Händchen gespielt: Wird die Stimmung frostiger zwischen den Protagonisten, kommen Schneeböen auf, der Wind heult. »Das sind keine visual effects«, beteuert der Regisseur.
Auch Yulia Melamed erzählt über ihren Film ODIN: »Trotz des Wortwitzes ist die zentrale Idee das Dagegen-Sein.« Für die Hauptrolle der strengen Sportlehrerin konnte sie den russischen Filmstar Alisa Grebenshikova gewinnen. »Sie hat die Geschichte gelesen und sich in sie verliebt.« Odin wird am Mittwoch, den 23. Mai noch einmal in der Kinder-Rolle um 16.30 Uhr für alle ab 6 Jahre in der Werkstattbühne im Jungen Theater gezeigt.
Schmunzeln lässt einen der Abend immer wieder. Betroffen sein, mitfühlen. Aber auch herzlich lachen, wie beim Animationsfilm KLEIDER MACHEN FREUNDE von Falk Schuster. Vor Entzücken und Freude über gelungene Bastelbilder und über eine skurrile, kindliche und fantasievolle Geschichte raunt eine Laola-Welle aus „Ohs und Ahs und Ochs“ durch den kleinen Kinosaal.
Der Kinoabend mit seinen 13 Kleinoden aus unterschiedlichsten Genres und Ländern bleibt im Gedächtnis und macht Hunger auf mehr. Zum Satt-Werden gibt es drei weitere Rollen von Dienstag bis Donnerstag um 20 Uhr im Audi Programmkino, die Kinder-Rolle am Mittwochnachmittag und die große Abschlussveranstaltung im Stadttheater am Freitag um 19.30 Uhr
Text: Hannah Lau
Clip: Herbert Unterweger
