23.05.2012 // Kontraste der Rolle 2



Sommerregen. Die Zuschauer des Ingolstädter Kurzfilmfestivals 20 min|max, die Regisseure Benoit Desjardins und Yulia Melamed sitzen auf der überdachten Terrasse im Audi Forum. Man trinkt Bier, Aperol Spritz und frischgepressten Orangensaft. Sommerlaunige Stimmung am zweiten Kurzfilmfestivalabend.

Der Eröffnungsfilm der Rolle 2 am Dienstag im Audi Programmkino kommt aus Spanien. LA MEDIA PENA von Sergio Barrejón beginnt in einer tristgrauen Büroatmosphäre. Ein Mann, vielleicht Bankier, vielleicht Finanzberater, ist entschlossen, sich umzubringen. Durchkreuzt wird sein Plan von einer Putzfrau. Es beginnt ein tragisch-komisches Versteckspiel. Die Fallhöhe zwischen Komik und beklemmender Traurigkeit, zwischen Sehnsucht und Rückzug ist hoch. Leichtigkeit und Schwere ganz nah beieinander – in schwarz-weiß.

Bunt wird’s dann bei dem animierten Film HINTERLAND von Jakob Weyde und Jost Althoff. Ironisch und klug und poetisch erzählt sich hier die Geschichte des Bärs, der auszieht aus seinem Dorf, um die Krähe zu jagen, die sein iPod stibitzte. In die Wildnis gelockt findet er seine Bärigkeit wieder. Back to the roots. Sympathisch und honigsüß.

Wer unterhält hier wen? Das ist die Frage bei FLIMMERNDES INFERNO von Sören Wendt und Björn Magsig. Eine Krabbe in einem Aquarium an Bord der Titanic lässt sich von der Außenwelt unterhalten. Modelliert und gezeichnet öffnet der Animationsfilm eine ganz andere Perspektive auf den Schiffsuntergang des Jahrhunderts. Der Film wird am Mittwochnachmittag noch einmal in der Kinder-Rolle im Jungen Theater des Stadttheaters Ingolstadt zu sehen sein.

Ein Kurzfilm spaltete das Publikum: DEUX FÈRES. LA FEMME. FE FEU. LE SILENCE. von dem französischen Regisseur Philippe Zwick Eby ist ein Film, der brutal, manchmal plakativ veranschaulichen will, wie aus zwei jungen Männern, die auf einem verlassenen Fabrikgelände leben, Tiere werden. Purer Animalismus. Keine großen Gefühle, sondern Schläge, Tritte, Sex. Yulia Melamed, selbst Regisseurin und bei dem Kurzfilmfestival mit dem Film ODIN vertreten, ahnt: »Der Film spaltet zwar, aber es wird der sein, über den heute alle beim Heimgehen diskutieren werden.«

Text: Hannah Lau
Clip: Herbert Unterweger

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