24.05.2012 // Kinder- und Abendvorstellung am Tag 3



Zugegeben: Ein bisschen nervös war das Festival-Team von 20min|max vor der Kinder-Rolle im Jungen Theater. Am Nachmittag – die Sonne zeigte, wie Sommer sein kann – fanden sich nur wenige Kinder und mehr Erwachsene in der Werkstatt des Jungen Theaters des Stadttheaters Ingolstadt ein. Aber – was für ein Glück! – am Abend kamen die Zuschauer dann doch wieder zahlreich.

Der Nachmittag des dritten Festivaltages begann im Kleinen für die Kleinen. Kinder-Rolle war angesagt und wollte Kinderaugen und Kinderherzen mit quirlig bunten und wunderbar fantasievollen und skurillen Filmen bannen. Das gelang auch. Fünf SchauspielerInnen des Jugendspielclub des Stadttheaters erklärten, moderierten und übersetzten, was sonst für die Kleinsten unverständlich bleiben würde: den französischen Erzähler von APEURÉE, den russischen Film ODIN, die englischen Zwischentitel von LEGACY. Der Animationsfilm APEURÉE ist – obwohl in seiner Spiel- und Machart kindlich, niedlich – ein gewagter Start in den Kinderkinonachmittag. Leise ist er, dieser poetische Startschuss, und macht nachdenklich. APEURÉE wird noch einmal am Donnerstagabend im Audi-Programmkino und Freitagabend im Stadttheater gezeigt.
Es begeisterte FELIX von Anselm Belser – 43 Sekunden lang kann er viel erzählen von übermütigen Kindern, Laissez-faire, Aktion und Reaktion. Und das mit einer einzigen Kameraeinstellung. Kurzweile pur. Und Kinderlachen in der Werkstatt.

Am Abend spülte es das Kurzfilmfestival wieder in das Audi-Programmkino. Bekanntlich ist der dritte Tag der Schwierigste. Routine? Ja. Übersättigung? Nein, keinesfalls. Die bunte Genre- und Themenvielfalt des Festivals ist eine Stärke, die man auch gestern wieder spüren konnte: Der Zauber liegt in der Abwechslung und im Variantenreichtum.

Ein Hase ist ein Lebewesen ist ein Hase ist Nichts: Was bedeutet schon ein Leben? EXMUN von Maxim Kuphal-Potapenko greift ein Thema auf, das Diskussionen zulässt: Gewissenskonflikte eines Scharfschützen – das wurde schon oft besprochen, beschrieben, verfilmt. Aber EXMUN hat Tiefe, hat eine Authentizität, die ruhig und gelassen aufgebaut wird. Bei der Übung ist es nur ein toter Hase, doch der nächste Einsatz kommt schnell. Der Schütze funktioniert als Knopf, Gewissen ist eine Trainingssache – eine erschreckende Erkenntnis!

Ein wirklich kurzer Kurzfilm findet sich mit UN ORAGSME von Fred Joyeux. Eine Frau und ihr Orgasmus in wilden Zeichnungen, in wild blätternden Seiten: Urkomische Idee, sehr spannend umgesetzt, universell verständlich und dauert, naja, so lang wie ein Orgasmus dauern kann: Eine Minute und zwanzig Sekunden.

Surrealistisch und reflexiv wird es bei CATHARSIS. Ein weiterer französischer Film. Die Idee ist nicht neu: Der Protagonist, ein Filmemacher mit verkanntem Talent, steckt fest im eigenen Film, aus dem er zu entrinnen sucht. Bei CATHARSIS stimmt die Dramaturgie und greift die Komik, die Franzosen zu eigen ist. Nahe dem Slapstick, mit der Kamera als aktive Figur. Doch CATHARSIS überzeichnet das Thema nicht, sodass der Protagonist mit seinen Nöten nahe bleibt. Gekicher im Kinosaal gibt es ebenso, wie schweigende, auf das Happy-End hoffende Momente.

Zwei Tage dauert 20min|max noch – zwei Tage also noch, um vorbei zuschauen und sich (so ist es tatsächlich) überraschen zu lassen.

Text: Hannah Lau
Clip: Herbert Unterweger

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