Preisträger und Laudationes

KALI

Kali_Horse Still

Die Produktion “Kali”, übersetzt “Pferd” erhält den Hauptpreis des 20minmax Kurzfilmfestivals Preis gesstiftet von der Audi AG in Höhe von 1500.-€.

Aus der Begründung der Jury:
Die albanisch-italienische Produktion “Kali” besticht durch ihre erschreckende Intensität.
Schon die ersten Minuten beginnen stark. Bildstärke und Sounddesign ziehen den Zuschauer sofort hinein in eine andere Welt. Kameraführung und Bildverlangsamung unterstützen gekonnt diesen Effekt. Die emblematische Semiotik der Bildsprache ist klar gesetzt. So werden etwa die drei Jungendlichen in den drei Soldaten gespiegelt.
Klarheit des Drehbuch und Direktheit der Sprache saugen den Zuschauer in die Situation ein. Das überzeugend starke Spiel lässt einen schaudern.
Die Brutalität der Erziehungsmaßnahme konterkariert die geforderte Gewaltlosigkeit.
Die Unmöglichkeit der Erfüllbarkeit. ein lediglich mit Kreide an die Wand gezeichnetes Pferd zu besteigen, führt zu einer folterartigen Situation, die dann auch noch von den Protagonisten selber in einer Endlossschleife durchgeführt wird. Das minutenlange gegen die Wand Rennen wird zur eigentlichen Handlung, zur alleinigen Aufgabe, zur puren Aktion, die nicht mehr enden will. Die Weiterführung des Akustischen bis hinein in den Abspann lässt den Zuschauer die Intensität der Handlung solange mitspüren, bis es wirklich wehtut, bis man sich nicht mehr davon distanzieren kann.

 

YAAR

YAAR_3

Die Produktion “Yaar” erhält den 20minmax Kurzfilmfestival Preis gestiftet von der IFG Ingolstadt in Höhe von 500.-€

Aus der Begründung der Jury:
Was soll eine Dokumentation leisten? Jegliche Beschreibung, jegliche Dokumentation ist, das wissen wir seit Popper, so objektiv sie auch versucht zu sein, per definition immer subjektiv. Denn allein schon durch die Auswahl des Gezeigten wird jede Objektivität zerstört.
“Yaar”, eine Produktion aus Belgien und Burkina Faso, überzeugt durch einen hervorragenden Blick für klare Farben und große Bilder. Kleine, einfache Handlungen erhalten durch die Konzentration auf die in ihnen wohnende Ästhetik eine Wahrheit, die über sie hinausweist.
Grandioses Sounddesign und die sehr bewußte sprachliche Reduktion erzeugen auch akustisch eine selten gesehene Intensität.
Und, und das ist eine wesentliche Qualität der Dokumentation, in all der Ästhetik werden die Menschen in ihrer Situation nicht etwa vergessen, im Gegenteil. Man spürt die Härte und Schwierigkeit ihrer Situation, aber nicht über einen – viel zu häufig – gebrauchten – Mitleidsblick, der im Endeeffekt nicht Verständnis, sondern Distanz erzeugt, weil er von aussen schaut, sondern durch die Chance eines Miterlebens und Eintauchens in die Welt des anderen, in seine Intensität, seine Mystik und dadurch in seine Wahrheit.

 

Kronikë e një burri që është gati të vrasë

Kronike

Die Produktion “Kronike E Nje Burri Qe Eshte Gati Te Vrase” – “Die Zeit eines jungen Mannes, der töten wird” – erhält den 20minmax Kurzfilmfestival Preis gestiftet von der Inlingua Sprachenschule Ingolstadt in Höhe von 500.-€

Aus der Begründung der Jury:
Im stechenden Blick des Protagonisten spiegelt sich eine der zentralen Linien europäischer Kulturtradition. Das Prinzip Elekra, Blutrache als Notwendigkeit, als immerwährender Kreislauf, aus dem es kein Entrinnen gibt. Die Monologe, die bei Sophokles, Hofmannsthal oder Heiner Müller noch verbalisiert sind, kristallisieren sich hier in Sprachlosigkeit und Reduktion, in den puren Blick, in reine Erschöpfung, deren pure Intensität einen nicht nur mitnimmt, sondern einen auch spüren lässt, welche existentielle Tiefe diese Konflikte erzeugen.
Und diese Konflikte werden uns nah gebracht, bekommen durch das packende Spiel etwas mit uns zu tun, auch wenn wir sie in unserer pseudo-zivilisierten Welt für längst überwunden glaubten. Sie haben etwas mit uns zu tun, denn sie sind Teil unserer europäischen Identität.
Dass der Film die eigentliche Brutalität, die wesentliche Handlung ausspart, sie nur akustisch realisiert, sie nur entfernt hörbar macht und sich visuell auf einen leeren Stuhl beschränkt, spricht deutlich für das feine Gespür der Regie, für bewußt gewählte Effektlosigkeit und damit für die Konzentration auf innere Haltungen.
Ein Werk, dass die Kraft hat, den Zuschauer im eigentlichen Sinne des Wortes zu fesseln, ihn nicht mehr loszulassen, ihn gefangen zu nehmen. Ob er sich jemals befreien will, ob er sich je befreien kann, wird sich erweisen.

 

MAHI VA MAN

Mahi Va Man_the fish and I

Die Produktion “Mahi Va Man” erhält den 20minmax Kurzfilmfestival Preis der Jugend-Jury
gestiftet von der Audi AG in Höhe von 500.-€

„Mahi va man“ übersetzt, „Der Fisch und ich“. So lautet der Titel des Films, der uns vollends überzeugt hat. Der Film besticht durch seine minimalistische Art. Er ist komplett in schwarz-weiß gehalten, die Kulisse wird von nur einem Raum gebildet, es wird nicht gesprochen, lediglich die Klänge der sanften Filmmusik sind zu vernehmen. Der Kurzfilm kommt mit nur einem Schauspieler und einem Goldfisch aus. Ohne große technische Raffinessen schafft es der Film, eine sehr emotionale Atmosphäre aufzubauen, welche am Filmende durch eine sehr ergreifende Wendung ihren absoluten Höhepunkt erreicht. Die schauspielerische Leistung von Babak Habibifar ist grandios. Ohne etwas zu sagen, nur durch Mimik und sein Handeln wird klar, wie entschlossen der Protagonist ist. Dass Babak Habibifar nicht nur ein genialer Schauspieler ist, sondern noch viele weitere Begabungen hat, wird ersichtlich wenn man die reduzierte Teambesetzung kennt. Regie, Produktion, Vertrieb, Drehbuch, Schnitt und Komposition bewerkstelligte er selber. Diese Tatsache beeindruckt natürlich sehr und verdeutlicht wie viel Herzblut in dieses Projekt gesteckt wurde.

TERMINE 20MIN|MAX 2015

INTERNATIONALES KURZFILMFESTIVAL 20MIN|MAX

04. BIS 12. JUNI 2015

 TERMINE                                                               >>> PROGRAMM

(mehr …)

Stummfilm für Filmmusik-Wettbewerb online!

20MIN|MAX FILM SCORE COMPETITION 2015

CALL FOR ENTRIES

For musicians, sound designers and composers

Compose your own interpretation – music, sounds and / or voices – of 20min|max’ silent short film produced by Anton Kaun .
All genres are accepted, all styles allowed. Whether instrumental music or computer-generated sounds!
We are looking forward to your submissions!!!

The only requirement for winning the award is a live performance of the track during the film music night at Stadttheater Ingolstadt on Saturday, June 6th 2015.

Award:
1.000 euros, film rights, live-performance at the film music event

Deadline: April 30th 2015

20minmax15_FMW_stills

How to submit:

- watch and download the silent movie at vimeo
- compose your soundtrack
– merge sound and images to one file (.mp4)
– pay regard to the regulations
Ÿ- download and complete the registration form
ŸŸ
- send your file together with the completed registration form via wetransfer.com to info@20minmax.com

Please mind the rights of the producers and the prospective award winner and don’t release the film with your score unauthorised!

For all other questions don’t hesitate to contact us > info@20minmax.com !

 

20min|max 2015 – CALL FOR ENTRIES

Für die 9. Ausgabe des Internationalen Kurzfilmfestivals 20min|max können Kurzfilme – ergo Animations-, Spiel-, Dokumentar-, Experimentalfilme, Musikvideos – mit einer Länge von maximal 20 Minuten über die Internetplattform reelport.com eingereicht werden.

Bei reelport.com anmelden – Daten eintragen – Filme hochladen!

Das Reglement für die Teilnahme am 20min|max-Wettbewerb 2015 kann hier heruntergeladen werden.

Der Call startet am 03. November 2014.
Deadline für Einreichungen ist der 02. Februar 2015.

Wir freuen uns auf eure Kurzfilme!

Alternativ: Für Einreichungen per Post kann ein Anmeldeformular hier heruntergeladen werden. Das ausgefüllte Formular und den Film auf DVD bitte bis 02. Februar 2015 (Posteingang!) an das Festivalbüro in Ingolstadt schicken:

20min|max Internationales Kurzfilmfestival, Schulstr. 1 ½ , 85049 Ingolstadt

Hinsichtlich Fristen, möglicher Datenformate und Rechte bitte Reglement beachten. Wir behalten uns vor, den Film für die Vorsichtung digital auf dem reelport-Festival-Account zur Verfügung zu stellen.

 

20 MinMax A4 NEU.indd

 

DIE 20 MIN | MAX – GEWINNER 2014

BAKAYA
Mohamed Berro
Beirut / Libanon, 2014, 18:00 Min.
Spielfilm

“BAKAYA”, “REMAINS”, “Hinterlassenschaften” ist der libanesische Film benannt, der sich mit Gewalt, Tod und Krieg auseinandersetzt. Nur schwer zu ertragende dokumentarische Kriegsbilder werden anscheinend belanglosen Handlungen entgegengesetzt, die auch aus einem Experimentalfilm entstammen könnten. Ein Spannungfeld entsteht, dessen Tiefe einen einsaugt. Besonders überzeugt das ausgeprägte Gefühl für Rhythmus, der teils brutale Schnitt, der Umgang mit Musik und Stille, der Einsatz von Aufblende und Abblende. All dies zeugt von größter Meisterschaft. Seine Tiefe und übernationale Bedeutung beweist “Bakaya” unter anderem auch damit, dass er mit der Stimme des fortschrittsungläubigen Philosophen Michel Fouccault beginnt und im Film das Titelblatt von Thomas Hobbes “Leviathan” gezeigt wird, dessen herrschergläubige Staatsphilosophie Grundlage des aufgeklärten Absolutismus war. Für den Film spricht allerdings auch, dass diese zahlreichen Verweise nicht notwendig für das Verständnis des Films sind, sondern nur eine weitere Interpretationsdimensionen öffnen. Denn einfache Antworten gibt es ebensowenig wie einfache Erklärungen.

“Bakaya” schafft, was nur wenige Filme schaffen. Er lässt einen nicht los, brennt sich einem ins Hirn ein. Unauslöschlich.

Hauptpreis des 8. Internationalen Kurzfilmfestivals 20minmax 2014
gestiftet von der AUDI AG
dotiert mit einem Preisgeld in Höhe von 1.500 Euro

 

BLUE BLUE SKY
Bigna Tomschin
Zürich / Schweiz, 2014, 09:13 Min.
Spielfilm

Wie kann man sich am Geschicktesten dem Thema Tod, einem der meistverdrängten Themen in unserer als modern geltenden Gesellschaft nähern? Nicht mit Bedeutung, Wichtigkeit und Schwere, sondern mit Leichtigkeit, Witz und Augenzwinkern. Indem man die schwebende Sprachlosigkeit formuliert, ihr aber gleichzeitig den Wind unter den Flügeln belässt.

“Blue Blue Sky” gelingt dies mit überzeugender Souveränität, die nicht zuletzt der Glaubhaftigkeit der Kind-Perspektive zu verdanken ist. Wir hören nicht einem Erwachsenen zu, der seine philosophischen Weisheiten lediglich in den Mund eines Kindes legt, sondern wir folgen den wunderbar kreativen und dadurch wahren Gedankengängen eines jungen Menschen, der sich die Welt noch baut. Gerade dadurch gelingt es “Blue Blue Sky” ein Film für Kinder und Erwachsene zu sein und das mit hohem stilistischen Geschick in allen Bereichen. Ein Film, der die Rolläden aufmacht und den frischen Blick erzeugt.
Aber das ist eigentlich alles gar nicht so wichtig.
Es ist einfach ein toller Film.

20minmax Preis
gestiftet von der Sparkasse Ingolstadt
dotiert mit 500 Euro

 

LA LAMPE AU BEURRE DE YAK / BUTTER LAMP
Hu Wei
Paris, Frankreich, 2013, 15:00 Min.
Spielfilm

Nur selten gelingt es, Komik und Politik gewollt fruchtbar zu kombinieren. Noch seltener entsteht aus dieser Kombination auch noch ein wundervolles Portrait einer Kultur. Voll Menschlichkeit und Witz lässt “Butter Lamp” die Protagonisten vor wechselnden Hintergründen auflaufen und besticht dabei durch höchstes Geschick bei der Motivwahl. Jede Kombination beinhaltet eine derart tiefe und offenkundige Absurdität, die allein schon durch ihre Differenz höchste Kulturkritik erzeugt. Dabei weist “Butter Lamp” auch über den regionalen Bezug hinaus, indem es eine allzu grosse Fortschrittsgläubigkeit, die den eigentlichen Kern der Kultur zerstört, beispielhaft hinterfragt.

Die Reduktion auf einen Ort und ein Prinzip ist dabei alles andere als eine Einschränkung, sondern öffnet im Gegenteil gerade die Räume, die eine Auseinandersetzung mit Kultur gerade ermöglichen. Und das alles mit einem grossen Gespür für Humor.

20minmax-Preis
gestiftet vom Verein zur Förderung der Filmkultur – von der Rolle e.V.
dotiert mit 500 Euro

 

MARTHA
Sophie Averkamp
München / Deutschland, 2013, 12:18 Min.
Spielfilm

Ein Ort, eine Schauspielerin, eine Situation. Aber vor allem: eine herausragend starke schauspielerische Leistung, deren Menschlichkeit einen mitnimmt und gefangen hält. Der Zuschauer folgt gespannt der Protagonistin, lebt die klaustrophobischen Emotionen mit. Zentrale Schlüssel für die überzeugende Kraft von “Martha” liegen auch in der souveränen Regiearbeit, dem klaren Schnitt, der sich einfügenden Ausleuchtung. Und nicht zuletzt in der Qualität des Drehbuches, das sich bewusst fokussiert und das Ende des Filmes der Interpretation des Zuschauers überlässt. Dies alles erzeugt als starke Teamarbeit einen Kurzfilm, der erfrischenderweise nicht mehr sein will, als er ist und gerade dadurch eine herausragende Qualität erreicht, denn alles, was er macht, macht er mit großer Souveränität und Überzeugung, mit Kraft und Menschlichkeit, mit Können und Geschick.

20minmax-Preis
gestiftet von der IFG Ingolstadt
dotiert mit 500 Euro

 

AUSCHWITZ ON MY MIND
Assaf Machnes
Tel Aviv / Israel, 2013, 16:07 Min.
Spielfilm

Wie kann man mit der Katastrophe, dem Holocaust, der Shoah als heutige Generation der Nachgeborenen umgehen? Was kann man dem Unfasslichen entgegensetzen?
Aus Bertolt Brechts “An die Nachgeborenen”:

Was sind das für Zeiten, wo
Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist
Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!

“Auschwitz on my mind” schafft den eigentlich unschaffbaren Spagat. Erzählt über Liebe ohne über die Verbrechen zu schweigen oder sie auch nur unwichtiger zu machen. Und das mit einer erstaunlichen, unerwarteten Leichtigkeit und noch dazu mit grossem Humor.
Ein herausragendes Drehbuch, wunderbar fein spielende, überzeugende Protagonisten und eine souveräne Regiearbeit machen aus “Auschwitz on my mind” einen grossartigen Film, der verstanden hat, dass man dem grössten Verbrechen das Leben, den Witz und die Liebe entgegensetzen muss.

20minmax Preis
gestiftet von der Sparkasse Ingolstadt
dotiert mit 500 Euro